Wie klackern die Füße der schönen Frauen?

3. Januar 2016    

Eine Theaterkritik zu: Schweigeminute von Hila Golan + Ariel Nil Levy

Das Klackern der schönen Frauen ergibt sich aus dem Geräusch, wenn der Absatz des Stöckelschuhs auf den Holzboden trifft. Die Stärke der Berührung ist dabei nicht von Relevanz, denn das Geräusch ist unvermeidbar. Nicht abzuwenden, dass die leisen Sohlen zu verräterischen Riesen werden, die das Herannahen einer Weiblichkeit verraten.
So beginnen auch die Schauspielerinnen schon vor Beginn der Aufführung die geräuschfixierte Aufmerksamkeit auf ihre besohlten Füße zu lenken. Sie tippeln auf dem schwarzen Holzboden entlang und schreien nach Nervosität, Aufbruchstimmung. Gleich geht es los. Sie klackern auf die Bühne.
Wie lässt sich das Klackern der schönen Frauen beschreiben?
Gar nicht. Ein Klacken ist es zumindest nicht (Ist Klacken und Klackern das gleiche?). Es ist viel dumpfer als ein Klacken. Aber einschneidend. Ein einschneidendes dumpfes Klacken, das das Ohr vorbereitet auf das leise Abrollen, das wie ein Echo hinterher hallt und während man versucht den Ursprung zu erkennen, ist der Fuß schon in seine Laufrichtung verschwunden.
Wo laufen die schönen klackernden Fersen hin?
Es sind drei. Drei Frauen, also sechs Sohlen. Sie würden gerne wissen, wo sie hinlaufen sollen. Nach Deutschland oder Israel, so sagen sie in der Aufführung. Sie wollen mal „hier“ und mal „da“ klackern. Immer dort, wo sie gerade nicht auf den klingenden Boden stoßen können.
„Wie lange kann man schweigen?“
fragt eine der Stöckelträgerinnen durch einen Schnorchel.
Wie hört es sich an, wenn jemand durch einen Schnorchel spricht?
Vielleicht ein bisschen so, als hätte die Frau ein ganzes Brötchen im Mund. Der Schnorchel schluckt und dämpft das Gesagte. Die Worte sind ein Rauschen, der Schnorchel wird entfernt. Ein Reißverschluss kündet leichte Unruhe im Publikum an. Zu viel Schnorchel, zu wenig Marzipan, das vom Publikum möglichst leise gekauft wird. Die Frauen klackern weiter. Im Kreuz, in Choreographie, in Absprache, in Symmetrie. Personen sind es nämlich vier. Frauen nur drei. Preisfrage. Da ist ja noch Ariel. Der Hahn im Korb, der sich bisweilen als Henne gibt. Gar nicht so leicht die Aufmerksamkeit gleichmäßig zu verteilen, wenn man eine Person kennt. Eine bekannte Stimme. Wenn alle vier simultan sprechen, höre ich nur ihm zu. Nicht, weil er der Mann ist.
Warum trägt der Mann keine Stöckelschuhe?
Es wird geheiratet. Vier mal weißes Brautkleid. Die lärmenden Absätze scheinen das „Ja, ich möchte eine Schein-Ehe mit dir eingehen“ zu brüllen. Nur der schwarzhaarige Mann mit dem sympathischen Akzent in weißem Rüschenkleid tanzt den Hochzeitstanz ohne klackernde Schuhe. Man sollte lieber keine feministischen Interpretationen anlegen, sondern es auf die mangelnde Übung des Laufens auf Absatzschuhen schieben. Im Kleid-Tragen ist er geübt. Auch das Dirndl wirkt beschwingt an ihm, wenn er es durch das klirrende Anstoßen der bodenbedeckten Bierkrüge in Szene setzt.
„Morgen gehen wir in die Birkenstockfabrik“, droht oder verspricht die israelische Berlinführerin.
Wie klackern die schönen Füße in Birkenstock?

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